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Der Drache Runark

Von den ersten Tagen des Solanischen Reiches wissen die Gelehrten nicht mehr sehr viel. Durch die stetigen Kämpfe der Herrscher Familien untereinander, sind viele der alten Aufzeichnungen verschollen oder vernichtet worden. Doch die Geschichte, die ich hier erzählen möchte kann durch alte Schriftrollen die sich in der Bibliothek des Herzogs befinden belegt werden.

Das Reich ward der totalen Zerstörungs- und Vernichtungswut der Herrscher ausgesetzt, die sich ein erbitterten Kampf um die Herrschaft des Reiches Solania leisteten. Viele Menschen, aber auch eine Vielzahl der anderen Wesen, die in Solania ansässig sind, die da wären Elfen, Zwerge und Gnome, ließen ihr Leben. Gezwungen zum Kampf, entführt aus ihren Dörfern ließen sie sich zur Schlachtbank führen. Um dort auf dem Felde der Ehre in ihrem eigenen Blute zu erliegen. Eine finstere Zeit voll Pein und Furcht, voll Hass und Wut ward uns beschert. Und doch ein Jüngling reinen Geschlechts und direkter Blutslinie zum Thron wollte all den Kummer und all das Leid der Leute lindern. Er hatte die wahnwitzige Idee den Bewohnern Solanias Frieden zu bringen.

Er besann sich auf die ältesten und weisesten Bewohner des Reiches, er besann sich auf die Drachen. Er zog aus und suchte sie, denn sie haben sich bei all den Unruhen weit zurückgezogen um in friedlicher Abgeschiedenheit ein besinnliches Leben zu führen. Er wanderte über Berge und durch Täler, durch Wälder und Auen. Immer mehr Menschen folgten und schlossen sich ihm an. Er fand treue Freunde, die in aller Not an seiner Seite standen, doch die Drachen, nein, die Drachen fand er nicht.

Es schien ihm eine Ewigkeit, seine unendliche Suche nach den Drachen sollte doch belohnt werden. Die Hoffnung auf Frieden, die Hoffnung auf den Thron bereits entsagt, fand er wonach es ihm begehrte. In einer Felsspalte die so groß war wie ein Wehrturm, entdeckte er, dass es keine Felsspalte, sondern vielmehr der Eingang zu einer gewaltigen Höhle sein musste. Er stieg hinab in die Höhle und es ward ihm ein beschwerlicher Weg, denn der schwefelhaltige Geruch der tief aus dem inneren der Höhle trat, nahm ihm zeitweise den Atem. Ihm wurde warm und wenig später entledigte er sich seiner Rüstung, denn die Hitze ward ihn unerträglich. Dann sah er eine Halle, die wie aus Stein geschlagen vor seinen Augen sich auftat und von fern hörte er eine tiefe und raue, doch freundlich klingende Stimme sprechen: "Ein Mensch... einen Menschen sah ich seit vielen Jahren nicht mehr. Wer seid ihr und was wollt ihr hier - im Reich des Drachen Runark." Der Jüngling erschrak und fürchtete dem Tod selbst begegnet zu sein. "Mein Name ist Lothrian Berack und ich bin auf der Suche nach den Drachen des Reiches Solania", sprach er. Und die Stimme antwortete: "Was begehrt ihr von ihnen, ihr die Menschen, die uns vertrieben habt durch euer grausames Treiben?" Langsam richtete sich Lothrian auf, um erhobenen Hauptes und voller Stolz zu sprechen: "Hilfe, ich möchte euch um Hilfe bitten. Diesem sinnlosen Sterben muss ein Ende gesetzt werden, und nur ihr seid in der Lage dieses zu tun. Das Land muss endlich wieder zur Ruhe kommen." Er hatte Glück, der Drache war ihm wohl gesonnen, was anscheinend daran lag, dass er auf dem Wege hinab in den Schlund der Höhle seine Rüstung ablegt hatte. So musste der Drache glauben, dass er in friedlicher Absicht zu ihm herab gestiegen war. Und so erzählte er dem Drachen Runark von einem friedlichen Solania, von einem am Boden liegendem Reich, dass wieder erblühen könnte in einem nie da gewesenem Glanze. Er redete von einem Miteinander anstatt eines Gegeneinander und von Handel. Von Wohlstand anstelle von Hunger und Not. Er sprach von idyllischen Landstrichen, die von der Morgensonne geküsst, langsam ihr glänzendes Fell des Morgentaues ablegen anstelle von Knochenübersäten Tälern in denen blutig der Hauch des Todes kriecht. Von Festen und Fröhlichkeit, die die Einwohner hinaus singen in die sternenreiche Nacht, anstatt von Angst und Furcht, die sie erzittern lässt. Und dann war es Stille im steinernen Saal des Runarks. Bedächtig und noch in dem Traum versunken, den Lothrian ihm schilderte, schreitet Runark auf den Jüngling zu. WIhr habt ein gutes Herz junger Herr und gern würde ich euren Traum wahr werden lassen, doch mein Herz ist müde und gebrochen von all denen, denen ich leichtfertig glaubte. Und erkennen musste auch, dass die Menschen nur die Macht des Reiches an sich reißen wollten. Zu oft schon wurde ich von euren Adligen Verraten und verkauft..."

"So nehmt mein Leben als Pfand", unterbrach ihn Lothrian, "ich kann euch nichts anderes anbieten als mein Wort und mein Leben, doch weigere ich mich zu glauben das wir verloren sind. Ist in euch den kein Fünkchen Hoffnung und Ehre mehr. Haben die Menschen euer Herz versteinert,.... Ich bitte euch,.... so helft uns Herr,.... Bitte."

"Nun gut junger Lothrian ich will eure Bitte im Rat der Drachen vorbringen und wir werden beraten was zu tun wir gedenken. So wartet, wartet auf meine Wiederkehr und ihr werdet erfahren wie der Rat beschlossen hat, zu handeln." Der Drache flog fort, getragen von seinen majestätischen Flügeln dessen Schlag in der Luft den Wind zum heulen brachte.

2 Tage und 2 Nächte wartete Lothrian bereits als in der dritten Nacht der Drache zurückkehrte. "Steht auf junger Lothrian, steht auf und hört wie der Rat entschieden hat. Wir werden euch vertrauen, und wir werden euch helfen. Aber verlangen wir von nun an bis in alle Zeit in Frieden leben zu können und das ihr euren Traum von Solania zum Leben erweckt. Doch auch warnen soll ich euch, Verrat wird für euch und für das Reich den Tod bedeuten, wir werden es mit Feuer übersähen und euch und die euren bekämpfen bis niemand mehr am Leben ist. Also, seid auf der Hut junger Herr und kommt mit mir. Die Drachenschar sammelt sich bereits und ihr müsst euer Heer sammeln, denn nur gemeinsam werden wir den Sieg erringen oder gemeinsam untergehen." So kam es zum Kampf Gut gegen Böse.

Die Morgensonne kämpfte sich an jenem Tage nur mühselig durch den aufsteigenden Nebel. Und der Himmel trug ein Trauerkleid in grauen Farben. Leise schob der Wind den Nebel vor sich her in Richtung einer rauen und grobkantig wirkenden Steilwand. Diese Steilwand ging entlang, durch das ganze Tal und wurde nicht mal durch eine Felsspalte unterbrochen. Gewaltig stand sie da wie die Zuschauertribünen auf einem Ritterfeste. Durch die Felswand war die linke Seite des Heeres, das sich um Lothrian bildete geschützt und seine Reihen standen auf dem höchsten Punkt des Tales. Zu seiner Rechten zog sich das Tal so weit sein Auge blicken konnte, doch wusste er, dass dort zur rechten ein Fluss sich durchs Tal schlängelte. Nicht reißend aber tief genug, um in Rüstung darin zu ertrinken. Eine Trommel erklang und die Streitmacht seiner Widersacher formierte sich auf der gegenüber liegenden Seite des Tales. Auf einen seiner Manen kamen fünf seiner Gegner, ohne Unterstützung wäre diese Schlacht verloren, bevor sie begonnen hätte. Und so machte sich Unruhe in seinen Reihen breit. Ein wildes Getuschel und Gemurmel, dessen Bedeutung er nicht erraten konnte. Und während die Sonne mit ihren gleißenden Strahlen noch versuchte die kühle Morgenluft zu erwärmen begann die Schlacht. In der Mitte des Tales trafen die Heere aufeinander, ein heftiger metallischer klang war zu hören als die Reihen zusammen stießen, gerade so, als ob der Dämon des Todes in der Hölle ein Schwert schmiedete und die Weltenkugel als Amboss nutzte. Schreie waren zuhören und Männer sanken tödlich getroffen zu Boden. Der Boden färbte sich rot und die reihen des Lothrians wurden zurück gedrängt. Doch hinter Lothrians Heer färbte sich der Himmel, als ob die Sonne sich das blutige Treiben nicht mehr ansehen wollte. Die Drachen griffen an, grade noch rechtzeitig, denn der Feind war stärker als sie alle dachten. Die Klauen schlugen sich in die hilflos flüchtenden Recken des Feindes, tief in das Fleisch. Feuersäulen schossen vom Himmel hinab und ließen den Feind zu Asche verfallen. Es war vollbracht, die Schlacht war gewonnen und während die siegreichen Mannen jubelten und sich über den Sieg freuten, stand Lothrian wie erstarrt da. Runark landete neben ihm und sah, dass Lothrian weinte. "Seht es euch an Runark, der Freund schlug den Freund, der Bruder schlug den Bruder. Wir haben nicht einen Feind besiegt, wir haben uns besiegt." Und Runarks Blick wanderte über das Tal. Rauchschwaden stiegen empor als wollten sie zum Gedenken mahnen, Tote lagen über das gesamte Tal und das ehemals grüne Gras. Rot, getränkt vom Blute der Toten. "Frieden, soll das nun der Frieden sein? Zu hoch war der Preis den wir bezahlen mussten."

Die Recken hörten seine Worte und verstummten, ja sie schämten sich gar über ihren Sieg.

Die Jahre vergingen und das Land gedeihte in den darauf folgenden Jahren des Friedens. Lothrian hielt seine Versprechen, doch die Drachen zogen sich zurück und wurden bald vergessen. Zu Ehren der Drachen, die ihm halfen das Land den Frieden zu bringen, trug er fort an einen Drachenkopf als Wappen. Man sagt noch heute, dass es das Abbild von Runark sei.

Wenn man heute noch durch das Tal der blutigen Schlacht zieht, und der Wind wie an jenem Morgen den Nebel zur Steilwand treibt, hört man den Wind davon erzählen und man vermeint den Lärm des Kampfes noch immer zu hören, der einst den Frieden brachte.

Lothrian wurde ein gerechter und weiser Herrscher und das Volk respektierte und achtete ihn. Die Drachen aber sah man seitdem nicht wieder. Man glaubt sie wären in ihre Höhlen zurückgekehrt und sahen mit Freude wie Lothrian das Land zum erblühen brachte.

Ob es sie noch immer gibt?

Nun, zieht aus und sucht sie, wie es einst der junge Herr Lothrian.